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»Nach unseren Informationen ist der Meteorit irgendwo südlich von Birmingham unterwegs«, antwortete ein müder Max Hanley auf Overholts Frage. »Morgen früh musste unser Schiff in London ankommen. Dann können wir unsere Leute an Land bringen und die Fährte des Meteoriten aufnehmen.«

»Das kann ich nur hoffen«, sagte Overholt. »Hier steht nämlich mein Job auf dem Spiel. Was ist mit der Atombombe?«

»Cabrillo und seine Leute wollen sie morgen genauer lokalisieren und dann den MI5 benachrichtigen«, sagte Hanley.

»Ich werde die Nacht heute in meinem Büro verbringen«, entschied Overholt. »Ruf mich dort an, wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt.«

»Versprochen«, sagte Hanley.

Dick Truitt holte sich seinen Schlüssel vom Empfang und gab dem Portier ein Trinkgeld, damit er sein Gepäck auf das Zimmer bringen ließ. Dann ging er durch den Flur zu Cabrillos Suite und klopfte leise an die Tür. Bob Meadows öffnete.

»Welche Freude«, sagte Meadows, als er ihn sah. Er machte Platz, um Truitt eintreten zu lassen. Dieser schaute sich um. Halb volle Essteller standen auf einem Tisch neben aufgeschlagenen Schnellheftern und Stapeln von Dokumenten.

»Guten Morgen, Dick«, begrüßte Cabrillo seinen Kollegen.

Dann trat er zum Telefon und bestellte beim Zimmerservice ein Sandwich und eine Coca Cola. Anschließend kehrte er zum Tisch zurück und ließ sich in einen Sessel sinken.

»Michael kennt mittlerweile die Identität des Soldaten auf den Fotos, die du mitgebracht hast«, sagte Cabrillo, »aber in welcher Verbindung er zu Hickman steht, müssen wir noch eruieren.«

»Er ist sein Sohn«, erklärte Truitt knapp.

»Verdammt«, platzte Eddie Seng heraus, »das erklärt vieles.«

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»Er muss es sein«, sagte Richard Truitt. »Als ich in Hickmans Büro war, sah ich etwas, das mir seltsam vorkam, dem ich aber nicht auf den Grund gehen konnte, bevor er zurückkam. Auf einem Regalbrett in der Nähe seines Schreibtisches lag ein Paar bronzefarbener Babyschuhe.«

»Wirklich merkwürdig«, sagte Cabrillo. »Von einem Nachkommen Hickmans ist nichts bekannt.«

»Okay«, sagte Truitt, »aber um die Schuhe war eine Kette mit einer Erkennungsmarke gewickelt.«

»Konntest du einen Blick auf die Erkennungsmarke werfen?«, fragte Eddie Seng, seines Zeichens ehemaliger Marineinfanterist.

»Das nicht, aber ich wette, dass jemand von der Polizei in Las Vegas dies für uns übernehmen kann. Der Punkt ist, weshalb sollte Hickman die Erkennungsmarke eines Fremden aufbewahren?«

»Es sei denn sie gehört jemandem, der ihm nahestand«, sagte Bob Meadows, »und gestorben ist.«

»Ich rufe Overholt an und bitte ihn, die Polizei in Las Vegas darauf anzusetzen«, sagte Cabrillo. »Ihr solltet euch lieber ausruhen. Ich habe das Gefühl, als hätten wir morgen einen langen Tag vor uns.«

Meadows und Seng gingen hinaus, Truitt aber blieb noch.

»Ich habe in der Gulfstream geschlafen, Juan«, sagte er. »Du könntest mir die Adressen geben, die du dir beschafft hast, damit ich sie überprüfe.«

Cabrillo nickte und reichte Truitt einen Notizzettel. »Sei morgen früh um acht wieder hier, Dick«, sagte er. »Dann sind auch unsere restlichen Leute da.«

Truitt nickte und ging auf sein Zimmer, um sich umzuziehen. Fünf Minuten später fuhr er mit dem Lift nach unten.

Michael Halpert schob eine Nachtschicht. Die Oregon dampfte in Richtung London, gesteuert von einer Minimalbesatzung. Die anderen Leute hatten sich in ihre Kabinen zum Schlafen zurückgezogen, und auf dem Schiff war alles still. Halpert liebte diese Art von Einsamkeit. Nachdem er den Befehl in den Computer eingegeben hatte, die Datenbanken des Verteidigungsministeriums zu durchsuchen, begab er sich in die Messe, wo er sich ein Brötchen toastete und eine frische Kanne Kaffee kochte. Er schmierte Streichkäse auf das Brötchen, wickelte es in Wachspapier ein, nahm die Kanne Kaffee und kehrte mit diesem Imbiss in sein Büro zurück.

Ein einzelnes Blatt Papier lag im Ausgabekorb seines Druckers. Er nahm es heraus und überflog es. Christopher Hunts nächste Angehörige war seine Mutter, Michelle Hunt, die in Beverly Hills, Kalifornien, wohnte.

Halpert gab ihren Namen in den Computer ein und machte sich auf die Suche nach Informationen über sie.

In London war es vier Uhr früh, als die Hawker 800XP mit Hickman an Bord in Heathrow landete. Abgeholt wurde er von einem schwarzen Rolls-Royce, der direkt neben der Landebahn wartete. Kurz darauf rollte der Wagen durch die verlassenen Straßen in Richtung Maidenhead.

Hickman wollte bei den Maidenhead Mills sein, wenn dort der Dienst begann. Seine restlichen Leute sollten schon bald aus Calais eintreffen, und er musste noch einiges erledigen. Er betrachtete den Glasbehälter mit den Seuchenerregern, den er von Vanderwald gekauft hatte. Ein wenig davon und ein wenig Meteoritenstaub — und voilà!

Wenn man die Lage im East End Londons bedachte, dann erschien das Innere des Hauses äußerst luxuriös. Lange der verrufenste Teil Londons, hatte das East End in den letzten Jahren als Wohnviertel erheblich an Beliebtheit gewonnen, da die hohen Preise in Central London die Bürger zunehmend aus dem Stadtzentrum vertrieben hatten.

Das zweistöckige Haus in der Kingsland Road, nicht weit vom Geffrye Museum, hatte die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs nahezu unbeschadet überstanden. Nachdem es einige Jahre als Pension für die Immigranten, die sich Ende des vergangenen Jahrhunderts in dieser Gegend niederließen, gedient hatte, war es während der letzten Jahre von einem Gangsterclan, der nach ihrem Anführer, Derek Goodlin, benannt wurde, renoviert und zu einem Edelbordell umgebaut worden.

Im Parterre befand sich ein Salonbereich mit Séparées und einem Pub. Der erste Stock bestand zum größten Teil aus einem Spielkasino mit einer langen Bar im rückwärtigen Teil des Saales, und der zweite Stock beherbergte die Zimmer, die entsprechend ausgestattet waren, um die verschiedensten Neigungen und Fantasien der zahlungskräftigen Kundschaft zu befriedigen.

Sobald Lababiti in seinem Jaguar vorgefahren und mit Amad ausgestiegen war, wurde Derek Goodlin, der an diesem Abend als Gastgeber im Haus fungierte, von seiner Ankunft unterrichtet. Goodlin, der wegen seiner kleinen glänzenden Augen und seiner pockennarbigen Haut hinter seinem Rücken »Bugs« genannt wurde, nahm die Nachricht grinsend zur Kenntnis, eilte zur Tür und begann im Geiste bereits das Geld zu zählen, das ihm dieser Besuch einbringen würde.

Goodlin hatte schon früher mit dem Araber zu tun gehabt, und er wusste, dass das Haus Tausende verdienen würde, ehe Lababiti Feierabend machte.

»Chivas und Coke«, bestellte Goodlin beim Barkeeper, während er durch den Saal hastete, um seinen Gast zu begrüßen.

Er riss die Tür auf und entblößte seine dünnen, spitzen Zähne mit einem breiten Grinsen. »Mr. Lababiti«, sagte er mit der warmen Herzlichkeit einer in einen Eisblock eingeschlossenen Schlange, »wie schön, dass Sie uns heute Abend die Ehre geben.«

Lababiti verachtete Goodlin. Er stellte all das dar, was mit dem Westen nicht in Ordnung war. Goodlin verkaufte Sünde und Verworfenheit — die Tatsache, dass Lababiti hier ein treuer Abnehmer war, machte da kaum einen Unterschied.

»’n Abend, Derek«, sagte Lababiti reserviert, während er das Glas entgegennahm, das ihm der Kellner reichte. »Wie ich sehe, machen Sie noch immer Ihre fragwürdigen Geschäfte.«

Goodlin grinste verschlagen. »Ich liefere nur, was die Leute haben wollen«, sagte er.

Lababiti nickte und gab Amad ein Zeichen, ihm zu folgen. Er ging auf die mit üppigen Schnitzereien versehene Mahagonibar im Gastraum zu. Dort ließ er sich an einem runden Tisch, auf dem eine brennende Kerze stand, in einen Sessel sinken. Goodlin folgte ihm wie ein Schoßhündchen.