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»Von welchem Zeitplan können wir ausgehen?«, fragte Linda Ross.

»Wir rechnen immer noch mit einem Angriff genau zum Jahreswechsel«, antwortete Hanley, »sozusagen als symbolische Geste.«

»Wir erhalten doch sicher genauere Anweisungen, wenn wir in London sind, nicht wahr?«, wollte Mark Murphy wissen.

»Richtig«, sagte Hanley. »Juan stimmt sich mit dem MI5 ab. Dessen Leute und Juan werden euch eure Aufgaben detailliert zuweisen.«

Hanleys Pieper erklang. Er hakte ihn von seinem Gürtel los und blickte auf das Display. »Okay, Leute«, sagte er, »Richard ist eingetroffen, um euch nach London zu bringen. Er wartet draußen. Denkt daran, die Kisten mit der Ausrüstung mitzunehmen, die Kevin für euch vorbereitet hat. Sie stehen an der Gangway. Noch Fragen?«

Niemand meldete sich.

»Dann viel Glück«, sagte Hanley.

Die sechs verließen den Konferenzraum.

Cabrillo brachte Fleming auf den neuesten Stand und trank einen Schluck Tee.

»Der Premierminister wird große Probleme haben, die Öffentlichkeit im Ungewissen zu lassen«, gab Fleming zu.

»Ihnen dürfte doch klar sein, dass die Hammadi-Gruppe, wenn sie erfährt, dass ihre Tarnung aufgeflogen ist, die Bombe jederzeit zünden kann«, erwiderte Cabrillo. »Unsere beste Chance ist es, mit Hilfe der Stimmaufnahme von Al-Khalifa mit ihnen Kontakt aufzunehmen, oder einfach darauf zu warten, dass sie etwas tun, und ihnen zur Bombe zu folgen, um sie dann zu entschärfen.«

»Wir könnten das Konzert ausfallen lassen«, sagte Fleming. »Das würde wenigstens die Anzahl der Menschen in dieser Gegend erheblich reduzieren.«

»Ich denke, dies wäre für die Hammadi-Gruppe ein Alarmsignal«, sagte Cabrillo.

»Wir müssen zumindest die königliche Familie und den Premierminister an einem sicheren Ort unterbringen«, sagte Fleming.

»Wenn Sie das schaffen, ohne dass irgendjemand etwas bemerkt«, sagte Cabrillo, »dann tun Sie es um Gottes willen.«

»Es war geplant, dass Prinz Charles den Auftritt Elton Johns ansagen sollte, aber er könnte ja irgendeine Krankheit vortäuschen«, schlug Fleming vor.

»Versuchen Sie es mit einem Lockvogel.« Cabrillo hatte eine andere Idee.

»Wenn der Plan vorsieht, beim Konzert zuzuschlagen«, sagte Fleming, »und die Waffe ist nicht bereits an Ort und Stelle, dann werden sie sie irgendwie dorthin bringen müssen.«

»Wenn Sie Ihre Leute die Gegend rund um das Konzert so unauffällig wie möglich mit Geigerzählern überprüfen lassen und keine Strahlung festgestellt wird, dann müssen wir wohl davon ausgehen, dass sie die Absicht haben, den Sprengkopf per Auto in Position zu bringen.«

»Wenn wir den Bereich in der Nähe des Konzertortes unter die Lupe nehmen und nichts finden«, sagte Fleming langsam, »brauchen wir nur noch die Straßen zu kontrollieren, über die man nach Mayfair und nach St. James gelangen kann.«

»Genau«, sagte Cabrillo, »der Verkehr in dieser Gegend ist schon jetzt grauenhaft. Sie brauchen lediglich ein paar Lastwagen in den Seitenstraßen bereitzustellen, die auf ein Zeichen hin die Straßen blitzschnell abriegeln können. Ich glaube nicht, dass es so weit kommen wird. Wenn wir mit unserer Vermutung richtig liegen und Lababiti tatsächlich im Besitz der Bombe ist, dann wissen wir immerhin, dass sie sich nicht in seinem Jaguar befindet, dagegen irgendwo in der Nähe versteckt sein muss. Ich denke, unsere einzige Hoffnung besteht darin, ihn zu überwachen und an ihm zu kleben wie die Schmeißfliegen an einem Tierkadaver. Und ihn dann zum richtigen Zeitpunkt aus dem Verkehr zu ziehen.«

»Falls wir uns irren und er uns nicht zur Bombe führt«, sagte Fleming, »dann besteht unsere einzige Hoffnung darin, dass der Absperrring um Mayfair und St. James die Bombe aufhält.«

»Wenn Sie Ihre Lastwagen richtig aufstellen, dürfte es auf der ganzen Welt keinen einzigen Wagen geben, der es durch diese Straßen schafft.«

»Aber haben wir dann noch genügend Zeit, die Bombe zu entschärfen?«, fragte Fleming.

»Je weiter vom Konzert entfernt wir sie aufstöbern, desto mehr Zeit haben wir. Sorgen Sie dafür, dass jeder Ihrer Leute ein Dia­gramm bei sich hat, aus dem hervorgeht, welche Drähte gekappt werden müssen, um die Uhr des Zeitzünders anzuhalten.«

»Lieber Gott«, sagte Fleming, »wenn wir doch nur wüssten, wo die Bombe ist.«

»Wenn wir es wüssten«, gab ihm Cabrillo Recht, »dann wäre die ganze Sache verdammt viel einfacher.«

40

Overholt unterrichtete seinen Oberbefehlshaber.

»Das ist der Stand der Dinge, Mr. President«, sagte er am frühen Neujahrsmorgen.

»Und Sie haben den Briten wirklich jede Hilfe angeboten, die wir liefern können?«, fragte der Präsident.

»Absolut«, antwortete Overholt. »Fleming, der Chef des MI5, meinte, wir könnten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr tun, als dafür zu sorgen, dass sich zwei von unseren Kernwaffenexperten auf der Mindenhall Air Base einsatzbereit halten.«

»Und das haben Sie natürlich getan, nicht wahr?«, sagte der Präsident.

»Die U.S. Air Force hat sie vor einer Stunde mit einem Helikopter hingebracht«, antwortete Overholt. »Sie halten sich zurzeit in London auf und müssten jederzeit zur Corporation und zum MI5 stoßen.«

»Was können wir darüber hinaus noch tun?«

»Ich habe mich mit dem Pentagon in Verbindung gesetzt«, berichtete Overholt. »Sie stellen Entlastung und medizinische Unterstützung bereit, falls irgendetwas schief gehen sollte.«

»Ich habe die Anweisung erlassen, dass sämtliches nicht mit grundlegend wichtigen Dingen befasste Personal in der Botschaft in London evakuiert wird«, sagte der Präsident.

»Dank das Feiertags waren nur eine Hand voll Leute zugegen.«

»Ich wüsste nicht, was wir sonst noch tun können«, sagte Overholt, »außer für ein glückliches Ende zu beten.«

Auf der anderen Seite des Großen Teichs informierte John Fleming den Premierminister.

»Das ist der neueste Stand«, endete er. »Außerdem müssen wir Sie und Ihre Familie so schnell wie möglich in Sicherheit bringen.«

»Ich gehöre nicht zu denen, die sich angesichts drohender Gefahr feige davonstehlen«, widersprach der Premierminister. »Meine Familie können Sie ruhig evakuieren, aber ich bleibe hier. Wenn es zum Schlimmsten kommt, kann ich nicht aus der Ferne zuschauen, wie meine Landsleute sterben, und ich habe vorher über die Bedrohung Bescheid gewusst.«

Es entspann sich eine heftige Diskussion, in deren Verlauf Fleming den Premierminister mehrmals geradezu anflehte, sich in Sicherheit bringen zu lassen. Der Premierminister hielt jedoch an seinem Entschluss fest.

»Sir«, endete Fleming entnervt, »es hilft niemandem, wenn Sie am Ende zum Märtyrer geworden sind.«

»Das ist wohl richtig«, gab der Premierminister zu, »aber trotzdem bleibe ich an Ort und Stelle.«

»Dann gestatten Sie uns wenigstens, dass wir Sie in den Bunker unter dem Verteidigungsministerium bringen«, bat Fleming. »Dort sind Sie bombensicher und werden mit Frischluft versorgt.«

Der Premierminister erhob sich als Zeichen, dass die Besprechung für ihn beendet war.

»Ich werde das Konzert besuchen«, sagte er mit Nachdruck. »Treffen Sie die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.«

»Jawohl, Sir«, gab sich Fleming geschlagen, stand ebenfalls auf und ging zur Tür.

In nächster Nähe des Apartmenthauses in der Seitenstraße, die vom Strand abzweigte, waren auf verschiedenen Gebäuden ringsum insgesamt vier Richtmikrofone versteckt und auf die Fenster von Lababitis Wohnung gerichtet. Die Schüsseln fingen Schwingungen der Fensterscheiben auf, verstärkten sie und wandelten sie in Töne um, bis alles, was in der Wohnung gesagt und an Geräuschen erzeugt wurde, so laut und deutlich wie eine digitale Tonaufnahme zu hören war.

Ein Dutzend MI5-Agenten posierten als Londoner Taxifahrer und patrouillierten in den umliegenden Straßen, während andere als harmlose Passanten unterwegs waren, sich die diversen Schaufensterauslagen ansahen oder in Restaurants saßen. Im Hotel, dem Apartmenthaus gegenüber, bevölkerten mehrere Agenten das Foyer, waren meist in Zeitungen vertieft und warteten darauf, dass etwas geschah.